Wo Natur so spürbar mächtig ist – Región de los Lagos 4. und letzter Teil

Zu Besuch bei einem tausend Jahre alten Lebewesen

Alerce Andino. Sehnsuchtsvoll denken wir an dieses Stück Natur zurück, das nach einem ganz besonderen Baum benannt ist. Von dem wir nur wenig gehört hatten und das uns vielleicht deshalb so gereizt hat. Schließlich sind die Orte, die nur wenig besucht sind, meistens die besonderen. Und dieser ist ein ganz besonderer. Da lohnt es sich auch, einen sieben Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegen zu müssen, bevor man überhaupt seine Pforten erreicht. Und man sich, wie so oft in Chile, die verschiedensten Aussagen über das Hinkommen anhört, um die für sich logischste rauszupicken und hofft, dass man richtig gewählt hat. Spätestens wenn man vor einem Lebewesen steht, das so langgestreckt ist, dass man den Kopf tief in den Nacken legen muss, um seine Spitze überhaupt sehen zu können, dann weiß man, dass man richtig gewählt hat. Denn egal wie man hingekommen ist, vor einem tausend Jahre alten Lebewesen zu stehen, ist ein wahrhaft andächtiger Moment, der einen jegliche Strapazen vergessen lässt. Weiterlesen…

Von Rebläusen, Salaten und purpurnen Tropfen

Etwas über den chilenischen Wein zu schreiben, könnte man gar als mutig bezeichnen, weiß man doch im Voraus, man wird ihm nicht gerecht. Man kann daher nur hoffen, dass gerade keiner von denen vor dem Geschriebenen sitzt, der es pflegt, seine Nase vor dem trinken tief in das Weinglas einzutauchen, danach bewusst einen Schluck zwischen den Zähnen durch schlürft, diesen dann auf dem Gaumen zergehen lässt, um danach mit kritischem Blick, die Farbe des Weines betrachtend, Worte von sich gibt, wie sanfter Abgang, rauchiges Aroma, vollmundiges Bouquet.
Aber dies soll ja auch keine Kritik über chilenischen Wein werden, das würde sich Schreiberling niemals anmaßen. Es soll eher ein kleiner Liebesbrief sein, an euch, liebe Chilenen und euren Wein. Weiterlesen…

Wo Natur so spürbar mächtig ist – Región de los Lagos 3. Teil

Wo Vulkane Appetit auf Toblerone Schokolade auslösen

Wenn die morgendlichen Sonnenstrahlen auf das Wasser des Todos los Santos Sees treffen, dann verwandeln sie ihn ein in türkisfarbenes Meer. An den Ufern erstrecken sich wie fast überall in Chile Berge hinter Bergen, auf der linken Seeseite vor allem Vulkanspitzen die weiß glänzend in die Höhe ragen. Wäre da nicht der etwas laute Schiffsmotor könnte man meinen, man habe erneut ein Stück vom Paradies gefunden. Weiterlesen…

Zwei zerborstene Särge, ein schattiges Plätzchen auf einem Grab und eine etwas ungewöhnliche Bitte an den Friedhofswärter

Der Tod ist etwas, das wir in unseren Gefilden als eine äußerst ernste Sache ansehen. Wir tragen schwarz, um unsere Trauer auszudrücken und die wenigsten haben, mal ehrlich, ein natürliches Verhältnis dazu. Am liebsten vermeidet man das Thema, ist es doch eher eine unschöne Sache, die uns vielleicht auch irgendwie Angst macht. In Chile dagegen, geht man damit irgendwie anders um. Auch wenn eine Totenumlegung nicht gerade zum Alltag gehört… Weiterlesen…

Wo Natur so spürbar mächtig ist – Región de los Lagos 2. Teil

Im Neoprenanzug durchs Paradies

Das Paddel taucht in das türkisfarbene Wasser. Am Horizont erhebt sich die schneebedeckte Spitze eines Vulkans, der Himmel strahlendblau und plötzlich tauchen aus dem frischen Nass Rückenflossen auf, eine nach der anderen, bevor sie wieder versinken und wieder auftauchen. Delfine. Hier grinsen sogar die Tiere. Haben wir das Paradies gefunden? Es fühlt sich ein wenig so an… Weiterlesen…

Wo Natur so spürbar mächtig ist – Región de los Lagos 1.Teil

Ostseeschick und Schwarzwaldflair in Südamerika

Es ist Freitagabend in Santiago. Die Stadt kollabiert wie jeden Freitag um diese Zeit, die Straßen sind verstopft, die Metro zu voll, als dass man noch einen Quadratzentimer Patz finden würde, schon gar nicht mit großem Rucksack auf dem Rücken. Mit Mühe und Not finden wir im Verkehrschaos und Straßenlärm noch ein leeres Taxi, schmeißen unser Gepäck auf den Rücksitz und rufen eilig, wir müssen zum Busterminal. Es bleiben noch 25 Minuten bis zur Abfahrt des Busses, eigentlich schier unmöglich doch der Taxifahrer gibt sein bestes und rast durch die Straßen. Drei Minuten vor Abfahrt hält das Taxi vor dem Terminal. Weiterlesen…

Wer ist eigentlich dieser weón?

Kommt man zum ersten Mal nach Chile und möchte voller Stolz sein fließendes Spanisch zum Ausdruck bringen, wird man ziemlich schnell (genau genommen bereits bei der ersten Begegnung) völlig ratlos vor dem Chilenen stehen, der einem zum dritten Mal versucht zu erklären, was er meint, weil man das Gefühl hat, das ist doch kein Spanisch, was der da spricht. Weiterlesen…

Regen in der Hauptstadt – ein kurzer Versuch einen unbegreiflichen Ausnahmezustand zu beschreiben

Regen. Herrlich. Wenn er so gegen die Fensterscheiben klopft, auf das Dach prasselt, die Luft mit einem ganz besonderen Geruch erfüllt. Auf das Gemüt schlagend, wenn er das zu oft tut, aber auch auf das Gemüt schlagend, wenn er das gar nicht mehr tut. Seit Monaten hat er sich nicht mehr blicken lassen. Die Stadt lechzt nach Wasser. Die Luft ist geschwängert von Abgasen, dick und kalt hängt sie über der Stadt. Die Anden am Horizont sind an manchen Tagen schon gar nicht mehr zu sehen. Die Grünflächen in den Parks und in den Straßen werden künstlich bewässert, die Wasserspeicher gehen immer mehr zurück. Der Río Mapocho, der durch die Stadt fließt, ist nur noch ein dünnes Rinnsal. Gespeist wird er vom Schmelzwasser der Anden, doch diese sind immer noch ohne Schnee. Weiterlesen…