Von grünen Pflanzenknollen und Nagetiergefühlen

Als man Schreiberling das erste Mal eine dieser grünen Pflanzenknollen vorsetzte, die zur hiesigen Küche gehören, befanden wir uns ausgerechnet im Hause der Schwiegereltern in spe. Und das wohlgemerkt zum ersten Mal. Unsere innere Aufregung versuchten wir permanent zu unterdrücken, auch wenn sie bereits auf dem Höhepunkt angekommen war, konnten wir doch aus dem Wirrwarr an chilenischem Spanisch nur Fetzen verstehen, die es schwierig machten, den von uns gewünschten Eindruck zu hinterlassen. Dennoch dachten wir, dafür liefe es ganz gut. Doch dann lag sie da. Die Artischocke. Irgendwie bedrohlich. Auf unserem Teller. Weiterlesen…

La Campana und die Vogelperspektive oder das Gefühl fast zu fliegen

Wenn wir Flügel hätten, würden wir genau jetzt abheben. Wir stehen am dafür perfekten Ort. Auch wenn von Leichtigkeit in unseren Gliedern keinerlei Spur mehr zu finden ist. Im Gegenteil. Doch was sich unter uns ausbreitet, ist so atemberaubend schön, dass wir die Schmerzen in unseren Beinen für einen Moment vergessen. Wir können zum ersten Mal über die Bergspitzen sehen. Und das Schönste dabei – wir sehen am Horizont die schneebedeckten Anden und auf der anderen Seite das Meer. Das war bisher aus unserer Sicht nur als Vogel möglich. Doch heute haben wir selbst die Vogelperspektive erlangt. Es ist fast so als würden wir fliegen.  Weiterlesen…

Ein Streifzug über eine Insel, auf der die Welt noch in Ordnung zu sein scheint – Chiloé.

Chiloé. Mystische Insel. Legenden erzählt man sich auf deinen Hügeln – von Geisterschiffen, die des Nachts die Küste anlaufen, von verstorbenen Seelen, die man in deiner Bucht weinen hört, vom Trauco dem Gnom, der die Frauen in seinen Bann zieht und verführt… Götter und Fabelwesen, die deine grüne Erde bewohnen. Betritt man dein Land, so ziehst du einen in deinen Bann, es ist, als würde man plötzlich selbst ein mystisches Wesen dort hinten am Horizont stehen sehen, im Winde wehendes Haar, bevor es langsam vor dem wolkenbehangenen Himmel verschwimmt.
Viel haben wir von dir gehört, es gibt keinen, der nicht von dir schwärmt und so zogen auch wir aus, um durch deine Wälder zu streifen, deine Hügel zu erklimmen, deine Möwen lachen zu hören, deinen Regen zu spüren, deine Erde zu riechen, deine auf Stelzen gebauten Häuser zu bewohnen, dein Meersalz auf den Lippen zu schmecken.
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Süß, süßer, am süßesten

Wenn die Chilenen eines lieben, dann ist es Zucker. Und das egal in welcher Form. Doch am allerliebsten in cremig karamellisierter streichbarer Form. Braun, zähflüssig, oftmals in Verbindung mit einem genüsslich dahin schmelzenden Blick, genannt Manjar (sprich: Manchar). Die braune Paste, nichts anderes als karamellisierte Kondensmilch, versüßt einem jegliche bereits schon sehr süße Süßspeise. Während sich Schreiberling regelmäßig die Geschmacksnerven zusammenziehen, schmieren sich die Chilenen noch eine extra Portion oben drauf. Manjar ist einfach überall drin, es verfolgt einen regelrecht, ein Entkommen ist schlichtweg nur durch Verzicht auf chilenische Süßspeisen möglich. Und von denen gibt es zu Hauf.   Weiterlesen…

Ehrfurcht

Sich in dir spiegelnd versinkt der rote Feuerball langsam in deinen Tiefen am Horizont.
All deine Kraft zeigen wollend, bäumst du dich auf,
als wolltest du seine letzten Strahlen einfangen.
Du greifst nach ihnen,
lässt sie auf dir tanzen,
verschlingst sie gar,
bevor du sie wieder fallen lässt.
Tosend, schäumend, zerfließen sie im Sand.
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Ja, wo sind wir denn hier eigentlich?

Da ist dieser wirklich schmale Streifen Land, der sich an die Anden schmiegt, als würde er sich vor dem Pazifik schützen wollen. Den man auf der Weltkarte fast übersehen könnte. Von dem viele nur wissen, dass er in Südamerika liegt, neben der großen Landfläche, die sich Argentinien nennt. Und wenn sie ihn das erste Mal besuchen wollen, entstehen die wildesten Reiseideen, die sie dann den Menschen entgegenbringen, die im Tourismus arbeiten und deren Reise planen sollen. Es kommen Wünsche auf wie: wir wollen mit dem Schiff von Santiago auf die Osterinsel fahren. Oder man würde gerne innerhalb von einer Woche in die Atacama Wüste, den Torres del Paine Nationalpark und auf die Insel Chiloé reisen. Fragen werden gestellt wie: Warum regnet es eigentlich so viel im Süden, wenn in Santiago doch so oft die Sonne scheint? Oder man wird gefragt, wieso einem kalt ist, man sei doch in Südamerika.
Es ist also schön, über das Asado zu schreiben, die Farben in der Atacama Wüste zu beleuchten oder die Seenregion glänzen zu lassen, aber was nützt dies alles, wenn ein paar grundlegende Dinge ungeklärt sind? Es ist also an der Zeit, ein paar Mythen aufzudecken und vor allem eine grundsätzliche Frage zu klären – ja, wo sind wir denn hier eigentlich? Weiterlesen…

Lichtspiel

Ein Sonnenuntergang in der Atacama Wüste ist wie ein einziges Leuchten. Wenn die Sonne ihre tiefen Strahlen ein letztes Mal über das Meer aus Sand und Gestein gleißen lässt, verabschiedet sich die Wüste in ihren schönsten Farben. Ein Vogel möchte man sein, der höher fliegen kann, als dieser Hügel, auf dem wir stehen, damit wir selbst noch hinter den Licancabur blicken können, in diese endlos leuchtende Weite. Weiterlesen…

Ají – ein scharfer Küchengruß

Wenn man das erste Mal Ají probiert, sollte man vorsichtig sein. Und wir sprechen hier nicht von der Schote an sich, denn in diesem Fall sollte man besser nicht zubeißen, es könnte einem sonst jegliche Geschmackssinne wegbrennen. Wir sprechen hier von der Paste, die zu Hause gerne auf dem Esstisch steht und die wahrscheinlich von jeder Chilenin anders zubereitet wird. Und deren Stärke zum einen von der Schote an sich abhängt, zum anderen von der Zubereitung. Daher bitte nicht einen ganzen Teelöffel davon in seine Suppe geben, will man doch aus Höflichkeit aufessen, was ansonsten zu einem qualvollen Akt werden könnte. Weiterlesen…

Wie tanzende Marionetten auf einem Tablett – wenn es mal wieder wackelt

Seit Stunden jault der Hund im Nachbargarten. Man fragt sich, was sie ihm angetan haben, will er einfach nicht aufhören. Dann beginnen plötzlich die anderen Hunde in der Umgebung ebenfalls zu bellen und wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, die Tiere haben eine Verschwörung geplant. Mit einem Mal wird es still. Die Hunde verfallen in ein unheimliches Schweigen. Zwei Stunden später erreicht ein Erdbeben der Stärke 6.9 die Hauptstadt. Man sagt, Tiere können Erdbeben im Voraus spüren. Schade, dass wir Menschen über diesen sechsten Sinn nicht verfügen. Dann wären wir mit Sicherheit ruhiger gewesen, als der Boden unter unseren Füßen anfing zu beben… Weiterlesen…