Süß, süßer, am süßesten

Wenn die Chilenen eines lieben, dann ist es Zucker. Und das egal in welcher Form. Doch am allerliebsten in cremig karamellisierter streichbarer Form. Braun, zähflüssig, oftmals in Verbindung mit einem genüsslich dahin schmelzenden Blick, genannt Manjar (sprich: Manchar). Die braune Paste, nichts anderes als karamellisierte Kondensmilch, versüßt einem jegliche bereits schon sehr süße Süßspeise. Während sich Schreiberling regelmäßig die Geschmacksnerven zusammenziehen, schmieren sich die Chilenen noch eine extra Portion oben drauf. Manjar ist einfach überall drin, es verfolgt einen regelrecht, ein Entkommen ist schlichtweg nur durch Verzicht auf chilenische Süßspeisen möglich. Und von denen gibt es zu Hauf.   Weiterlesen…

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Ehrfurcht

Sich in dir spiegelnd versinkt der rote Feuerball langsam in deinen Tiefen am Horizont.
All deine Kraft zeigen wollend, bäumst du dich auf,
als wolltest du seine letzten Strahlen einfangen.
Du greifst nach ihnen,
lässt sie auf dir tanzen,
verschlingst sie gar,
bevor du sie wieder fallen lässt.
Tosend, schäumend, zerfließen sie im Sand.
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Ja, wo sind wir denn hier eigentlich?

Da ist dieser wirklich schmale Streifen Land, der sich an die Anden schmiegt, als würde er sich vor dem Pazifik schützen wollen. Den man auf der Weltkarte fast übersehen könnte. Von dem viele nur wissen, dass er in Südamerika liegt, neben der großen Landfläche, die sich Argentinien nennt. Und wenn sie ihn das erste Mal besuchen wollen, entstehen die wildesten Reiseideen, die sie dann den Menschen entgegenbringen, die im Tourismus arbeiten und deren Reise planen sollen. Es kommen Wünsche auf wie: wir wollen mit dem Schiff von Santiago auf die Osterinsel fahren. Oder man würde gerne innerhalb von einer Woche in die Atacama Wüste, den Torres del Paine Nationalpark und auf die Insel Chiloé reisen. Fragen werden gestellt wie: Warum regnet es eigentlich so viel im Süden, wenn in Santiago doch so oft die Sonne scheint? Oder man wird gefragt, wieso einem kalt ist, man sei doch in Südamerika.
Es ist also schön, über das Asado zu schreiben, die Farben in der Atacama Wüste zu beleuchten oder die Seenregion glänzen zu lassen, aber was nützt dies alles, wenn ein paar grundlegende Dinge ungeklärt sind? Es ist also an der Zeit, ein paar Mythen aufzudecken und vor allem eine grundsätzliche Frage zu klären – ja, wo sind wir denn hier eigentlich? Weiterlesen…

Lichtspiel

Ein Sonnenuntergang in der Atacama Wüste ist wie ein einziges Leuchten. Wenn die Sonne ihre tiefen Strahlen ein letztes Mal über das Meer aus Sand und Gestein gleißen lässt, verabschiedet sich die Wüste in ihren schönsten Farben. Ein Vogel möchte man sein, der höher fliegen kann, als dieser Hügel, auf dem wir stehen, damit wir selbst noch hinter den Licancabur blicken können, in diese endlos leuchtende Weite. Weiterlesen…

Ají – ein scharfer Küchengruß

Wenn man das erste Mal Ají probiert, sollte man vorsichtig sein. Und wir sprechen hier nicht von der Schote an sich, denn in diesem Fall sollte man besser nicht zubeißen, es könnte einem sonst jegliche Geschmackssinne wegbrennen. Wir sprechen hier von der Paste, die zu Hause gerne auf dem Esstisch steht und die wahrscheinlich von jeder Chilenin anders zubereitet wird. Und deren Stärke zum einen von der Schote an sich abhängt, zum anderen von der Zubereitung. Daher bitte nicht einen ganzen Teelöffel davon in seine Suppe geben, will man doch aus Höflichkeit aufessen, was ansonsten zu einem qualvollen Akt werden könnte. Weiterlesen…

Wie tanzende Marionetten auf einem Tablett – wenn es mal wieder wackelt

Seit Stunden jault der Hund im Nachbargarten. Man fragt sich, was sie ihm angetan haben, will er einfach nicht aufhören. Dann beginnen plötzlich die anderen Hunde in der Umgebung ebenfalls zu bellen und wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, die Tiere haben eine Verschwörung geplant. Mit einem Mal wird es still. Die Hunde verfallen in ein unheimliches Schweigen. Zwei Stunden später erreicht ein Erdbeben der Stärke 6.9 die Hauptstadt. Man sagt, Tiere können Erdbeben im Voraus spüren. Schade, dass wir Menschen über diesen sechsten Sinn nicht verfügen. Dann wären wir mit Sicherheit ruhiger gewesen, als der Boden unter unseren Füßen anfing zu beben… Weiterlesen…

Wo Natur so spürbar mächtig ist – Región de los Lagos 4. und letzter Teil

Zu Besuch bei einem tausend Jahre alten Lebewesen

Alerce Andino. Sehnsuchtsvoll denken wir an dieses Stück Natur zurück, das nach einem ganz besonderen Baum benannt ist. Von dem wir nur wenig gehört hatten und das uns vielleicht deshalb so gereizt hat. Schließlich sind die Orte, die nur wenig besucht sind, meistens die besonderen. Und dieser ist ein ganz besonderer. Da lohnt es sich auch, einen sieben Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegen zu müssen, bevor man überhaupt seine Pforten erreicht. Und man sich, wie so oft in Chile, die verschiedensten Aussagen über das Hinkommen anhört, um die für sich logischste rauszupicken und hofft, dass man richtig gewählt hat. Spätestens wenn man vor einem Lebewesen steht, das so langgestreckt ist, dass man den Kopf tief in den Nacken legen muss, um seine Spitze überhaupt sehen zu können, dann weiß man, dass man richtig gewählt hat. Denn egal wie man hingekommen ist, vor einem tausend Jahre alten Lebewesen zu stehen, ist ein wahrhaft andächtiger Moment, der einen jegliche Strapazen vergessen lässt. Weiterlesen…

Von Rebläusen, Salaten und purpurnen Tropfen

Etwas über den chilenischen Wein zu schreiben, könnte man gar als mutig bezeichnen, weiß man doch im Voraus, man wird ihm nicht gerecht. Man kann daher nur hoffen, dass gerade keiner von denen vor dem Geschriebenen sitzt, der es pflegt, seine Nase vor dem trinken tief in das Weinglas einzutauchen, danach bewusst einen Schluck zwischen den Zähnen durch schlürft, diesen dann auf dem Gaumen zergehen lässt, um danach mit kritischem Blick, die Farbe des Weines betrachtend, Worte von sich gibt, wie sanfter Abgang, rauchiges Aroma, vollmundiges Bouquet.
Aber dies soll ja auch keine Kritik über chilenischen Wein werden, das würde sich Schreiberling niemals anmaßen. Es soll eher ein kleiner Liebesbrief sein, an euch, liebe Chilenen und euren Wein. Weiterlesen…

Wo Natur so spürbar mächtig ist – Región de los Lagos 3. Teil

Wo Vulkane Appetit auf Toblerone Schokolade auslösen

Wenn die morgendlichen Sonnenstrahlen auf das Wasser des Todos los Santos Sees treffen, dann verwandeln sie ihn ein in türkisfarbenes Meer. An den Ufern erstrecken sich wie fast überall in Chile Berge hinter Bergen, auf der linken Seeseite vor allem Vulkanspitzen die weiß glänzend in die Höhe ragen. Wäre da nicht der etwas laute Schiffsmotor könnte man meinen, man habe erneut ein Stück vom Paradies gefunden. Weiterlesen…