Von grünen Pflanzenknollen und Nagetiergefühlen

Als man Schreiberling das erste Mal eine dieser grünen Pflanzenknollen vorsetzte, die zur hiesigen Küche gehören, befanden wir uns ausgerechnet im Hause der Schwiegereltern in spe. Und das wohlgemerkt zum ersten Mal. Unsere innere Aufregung versuchten wir permanent zu unterdrücken, auch wenn sie bereits auf dem Höhepunkt angekommen war, konnten wir doch aus dem Wirrwarr an chilenischem Spanisch nur Fetzen verstehen, die es schwierig machten, den von uns gewünschten Eindruck zu hinterlassen. Dennoch dachten wir, dafür liefe es ganz gut. Doch dann lag sie da. Die Artischocke. Irgendwie bedrohlich. Auf unserem Teller. Weiterlesen…

Ja, wo sind wir denn hier eigentlich?

Da ist dieser wirklich schmale Streifen Land, der sich an die Anden schmiegt, als würde er sich vor dem Pazifik schützen wollen. Den man auf der Weltkarte fast übersehen könnte. Von dem viele nur wissen, dass er in Südamerika liegt, neben der großen Landfläche, die sich Argentinien nennt. Und wenn sie ihn das erste Mal besuchen wollen, entstehen die wildesten Reiseideen, die sie dann den Menschen entgegenbringen, die im Tourismus arbeiten und deren Reise planen sollen. Es kommen Wünsche auf wie: wir wollen mit dem Schiff von Santiago auf die Osterinsel fahren. Oder man würde gerne innerhalb von einer Woche in die Atacama Wüste, den Torres del Paine Nationalpark und auf die Insel Chiloé reisen. Fragen werden gestellt wie: Warum regnet es eigentlich so viel im Süden, wenn in Santiago doch so oft die Sonne scheint? Oder man wird gefragt, wieso einem kalt ist, man sei doch in Südamerika.
Es ist also schön, über das Asado zu schreiben, die Farben in der Atacama Wüste zu beleuchten oder die Seenregion glänzen zu lassen, aber was nützt dies alles, wenn ein paar grundlegende Dinge ungeklärt sind? Es ist also an der Zeit, ein paar Mythen aufzudecken und vor allem eine grundsätzliche Frage zu klären – ja, wo sind wir denn hier eigentlich? Weiterlesen…

Wie tanzende Marionetten auf einem Tablett – wenn es mal wieder wackelt

Seit Stunden jault der Hund im Nachbargarten. Man fragt sich, was sie ihm angetan haben, will er einfach nicht aufhören. Dann beginnen plötzlich die anderen Hunde in der Umgebung ebenfalls zu bellen und wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, die Tiere haben eine Verschwörung geplant. Mit einem Mal wird es still. Die Hunde verfallen in ein unheimliches Schweigen. Zwei Stunden später erreicht ein Erdbeben der Stärke 6.9 die Hauptstadt. Man sagt, Tiere können Erdbeben im Voraus spüren. Schade, dass wir Menschen über diesen sechsten Sinn nicht verfügen. Dann wären wir mit Sicherheit ruhiger gewesen, als der Boden unter unseren Füßen anfing zu beben… Weiterlesen…

Zwei zerborstene Särge, ein schattiges Plätzchen auf einem Grab und eine etwas ungewöhnliche Bitte an den Friedhofswärter

Der Tod ist etwas, das wir in unseren Gefilden als eine äußerst ernste Sache ansehen. Wir tragen schwarz, um unsere Trauer auszudrücken und die wenigsten haben, mal ehrlich, ein natürliches Verhältnis dazu. Am liebsten vermeidet man das Thema, ist es doch eher eine unschöne Sache, die uns vielleicht auch irgendwie Angst macht. In Chile dagegen, geht man damit irgendwie anders um. Auch wenn eine Totenumlegung nicht gerade zum Alltag gehört… Weiterlesen…

Wer ist eigentlich dieser weón?

Kommt man zum ersten Mal nach Chile und möchte voller Stolz sein fließendes Spanisch zum Ausdruck bringen, wird man ziemlich schnell (genau genommen bereits bei der ersten Begegnung) völlig ratlos vor dem Chilenen stehen, der einem zum dritten Mal versucht zu erklären, was er meint, weil man das Gefühl hat, das ist doch kein Spanisch, was der da spricht. Weiterlesen…

Regen in der Hauptstadt – ein kurzer Versuch einen unbegreiflichen Ausnahmezustand zu beschreiben

Regen. Herrlich. Wenn er so gegen die Fensterscheiben klopft, auf das Dach prasselt, die Luft mit einem ganz besonderen Geruch erfüllt. Auf das Gemüt schlagend, wenn er das zu oft tut, aber auch auf das Gemüt schlagend, wenn er das gar nicht mehr tut. Seit Monaten hat er sich nicht mehr blicken lassen. Die Stadt lechzt nach Wasser. Die Luft ist geschwängert von Abgasen, dick und kalt hängt sie über der Stadt. Die Anden am Horizont sind an manchen Tagen schon gar nicht mehr zu sehen. Die Grünflächen in den Parks und in den Straßen werden künstlich bewässert, die Wasserspeicher gehen immer mehr zurück. Der Río Mapocho, der durch die Stadt fließt, ist nur noch ein dünnes Rinnsal. Gespeist wird er vom Schmelzwasser der Anden, doch diese sind immer noch ohne Schnee. Weiterlesen…