Von grünen Pflanzenknollen und Nagetiergefühlen

Als man Schreiberling das erste Mal eine dieser grünen Pflanzenknollen vorsetzte, die zur hiesigen Küche gehören, befanden wir uns ausgerechnet im Hause der Schwiegereltern in spe. Und das wohlgemerkt zum ersten Mal. Unsere innere Aufregung versuchten wir permanent zu unterdrücken, auch wenn sie bereits auf dem Höhepunkt angekommen war, konnten wir doch aus dem Wirrwarr an chilenischem Spanisch nur Fetzen verstehen, die es schwierig machten, den von uns gewünschten Eindruck zu hinterlassen. Dennoch dachten wir, dafür liefe es ganz gut. Doch dann lag sie da. Die Artischocke. Irgendwie bedrohlich. Auf unserem Teller. Weiterlesen…

Süß, süßer, am süßesten

Wenn die Chilenen eines lieben, dann ist es Zucker. Und das egal in welcher Form. Doch am allerliebsten in cremig karamellisierter streichbarer Form. Braun, zähflüssig, oftmals in Verbindung mit einem genüsslich dahin schmelzenden Blick, genannt Manjar (sprich: Manchar). Die braune Paste, nichts anderes als karamellisierte Kondensmilch, versüßt einem jegliche bereits schon sehr süße Süßspeise. Während sich Schreiberling regelmäßig die Geschmacksnerven zusammenziehen, schmieren sich die Chilenen noch eine extra Portion oben drauf. Manjar ist einfach überall drin, es verfolgt einen regelrecht, ein Entkommen ist schlichtweg nur durch Verzicht auf chilenische Süßspeisen möglich. Und von denen gibt es zu Hauf.   Weiterlesen…

Ají – ein scharfer Küchengruß

Wenn man das erste Mal Ají probiert, sollte man vorsichtig sein. Und wir sprechen hier nicht von der Schote an sich, denn in diesem Fall sollte man besser nicht zubeißen, es könnte einem sonst jegliche Geschmackssinne wegbrennen. Wir sprechen hier von der Paste, die zu Hause gerne auf dem Esstisch steht und die wahrscheinlich von jeder Chilenin anders zubereitet wird. Und deren Stärke zum einen von der Schote an sich abhängt, zum anderen von der Zubereitung. Daher bitte nicht einen ganzen Teelöffel davon in seine Suppe geben, will man doch aus Höflichkeit aufessen, was ansonsten zu einem qualvollen Akt werden könnte. Weiterlesen…

Von Rebläusen, Salaten und purpurnen Tropfen

Etwas über den chilenischen Wein zu schreiben, könnte man gar als mutig bezeichnen, weiß man doch im Voraus, man wird ihm nicht gerecht. Man kann daher nur hoffen, dass gerade keiner von denen vor dem Geschriebenen sitzt, der es pflegt, seine Nase vor dem trinken tief in das Weinglas einzutauchen, danach bewusst einen Schluck zwischen den Zähnen durch schlürft, diesen dann auf dem Gaumen zergehen lässt, um danach mit kritischem Blick, die Farbe des Weines betrachtend, Worte von sich gibt, wie sanfter Abgang, rauchiges Aroma, vollmundiges Bouquet.
Aber dies soll ja auch keine Kritik über chilenischen Wein werden, das würde sich Schreiberling niemals anmaßen. Es soll eher ein kleiner Liebesbrief sein, an euch, liebe Chilenen und euren Wein. Weiterlesen…