Von Zitronen, Schnaps und einem Streit, der wohl nie enden wird

Es ist mal wieder soweit. Lasset sie uns erneut bauchpinseln, die lieben Chilenen. Denn etwas Erfrischenderes an einem heißen Sommertag gibt es kaum. (was nicht heißen soll, dass wir im Winter darauf verzichten würden). Diese Mischung von frischer Zitrone, gepaart mit dem wahrscheinlich umstrittensten Weinbrand dieses Kontinents (Schreiberling hört förmlich das »und wer hat´s erfunden?« allerdings ohne Schweizer Akzent) ist etwas, was wir uns nur zu gerne auf der Zunge zergehen und kühl den Rachen hinunter perlen lassen. So lasset uns denn das Glas erheben auf etwas, das sich Pisco Sour nennt.

Es ist tatsächlich die Mischung, die es macht denn pur würde uns persönlich der starke Schnaps den Rachen wegbrennen. Und die Mischungen sind zu unsrer Freude herrlich vielfältig: sei es mit einer Zugabe von Ingwer, Minze oder ganz asiatisch mit Kokosmilch und Basilikum, mit Heidelbeere oder einfach klassisch mit frischem Zitronensaft. Je nach Gusto kommt hier jeder auf seine Kosten. Und wem das alles viel zu viel Aufwand ist, für den hält man hier ebenfalls etwas bereit – die Fertigmischung in verschiedenen Varianten im Supermarktregal. Praktisch. Und diese ist sogar noch recht genießbar. Manch einer pimpt die Mischung einfach nur und serviert sie dann als Eigenkreation (der Kenner schmeckt hier jedoch schnell den Unterschied).

Manch einer (und dazu gehören erschreckend viele) mischt den hochwertigen Schnaps jedoch mit dem allerorts in Chile geliebten schwarzen Zuckerwasser, das gerne in roten Dosen daher kommt. Diese originelle Mischung hat dann den noch originelleren Namen Piscola – na, wer kommt drauf? Richtig, wir sprechen von einer leidenschaftlichen Liaison zwischen Cola und Pisco. Und manch einer liebt sie so sehr, dass er sich am Abend zum Asado gleich einen halben bis ganzen Liter seinen Rachen runterkippt. Das anschließende Stehvermögen bewundern wir ehrlich immer wieder.

Aber was genau ist denn nun Pisco eigentlich? Gute Frage, die uns zu einer weiteren, wohl am meist gestellten Fragen führt – wer hat ihn denn erfunden?

Hier antworten gleich zwei Nationen mit geschwellter Brust »Wir waren das!«. Und entfachen damit einen wohl niemals endenden Disput, denn es kann ja nun mal nur einer gewesen sein.

Chile und Peru werden sich wohl auch auf diesem Feld nicht wirklich gernhaben. Es wurden schon ganze Artikel und Doktorarbeiten darüber geschrieben, Recherchen durchgeführt und dennoch beharrt jede Nation auf ihrem Erfinderrecht. Inzwischen gibt es sogar eine Weltkarte, auf der klar ausgewiesen wird, welche Nation Chile als Ursprungsland, welche Peru und welche beide Länder anerkennt.

Auch wir haben uns schließlich auf eine kleine Recherche begeben und das Nützliche mit dem wahrlich Angenehmen verbunden und sind ins Valle del Elqui gefahren. Ach, was ist das schön dort! Weinreben wohin das Auge blickt. Hier werden so einige leckere Weine produziert. Doch was viel wichtiger ist – hier liegt der Ursprung des chilenischen Pisco. Wir haben also bereits die Antwort auf die erste Frage – Pisco ist ein hochprozentiger Schnaps, der aus speziell dafür vorgesehenen Trauben gewonnen wird. Oder besser gesagt aus Wein. Denn es muss tatsächlich erst Wein produziert werden, bevor aus eben diesem Pisco gewonnen wird. Hierfür wird der Alkohol in einem aufwendigen Prozess getrennt und destilliert, bevor er in Flaschen abgefüllt wird und in unseren Gläsern landet.

Was in diesem Zuge ebenfalls wichtig zu erwähnen ist, ist, dass sich in Chile nur Pisco nennen darf, was in zwei bestimmten Regionen des Landes produziert wurde. Hier handelt es sich um die Atacama Region und die Region um Coquimbo, in Letzterer befindet sich das Valle del Elqui.

Was die Antwort auf die zweite Frage angeht – falls du nun, lieber Leser, die Hoffnung hegst, hier die Antwort zu finden, so muss Schreiberling diese Hoffnung leider enttäuschen. Denn wir wollen es wirklich nicht riskieren, Öl ins Feuer zu gießen. (Was nicht heißen soll, dass wir keine eigene Meinung dazu haben. Aber wir halten es für angebrachter, diese lieber hinter verschlossenen Bildschirmen zu halten.)

Unser stolzer Guide auf dem Pisco Gut Los Nichos eröffnete uns, dass es ganz logisch sei, eine Antwort auf die Frage zu finden. Schließlich wurde auf diesem Gut der erste Pisco überhaupt produziert, was bedeutet, dass sein Ursprung ganz klar auf chilenischem Boden liegt. Lediglich, was den Ursprung des Namens angeht, könne man sich streiten. Doch wer sagt uns, dass wir auf einem Pisco Gut in Peru nicht eine ähnliche Erklärung bekommen?! Wir halten uns hier also lieber ganz diplomatisch raus.

Doch bauchpinseln tun wir sie dennoch gerne, die lieben Chilenen. Denn uns persönlich schmeckt der chilenische Pisco besser, was ganz einfach daran liegt, dass uns der Peruanische zu stark ist, was auch daran liegen mag, dass unsere Alkoholtoleranz recht niedrig ist. Doch das ist lediglich eine Frage des Geschmacks.

Wie komme ich also in den Genuss eines Pisco Sours? Für einen Klassischen braucht es lediglich frische Zitronen, einen guten Pisco, Puderzucker und Crushed Eis.

Jetzt heißt es Zitronen auspressen, den Saft mit dem Pisco, Puderzucker und dem Crushed Eis in einen Mixer geben oder mit dem Pürierstab pürieren, bis er idealerweise eine cremige Konsistenz erhält. Das Verhältnis ist klassischerweise 1:3 (Zitronensaft : Pisco). Doch wir sind der Meinung, es kann gern je nach Geschmack variiert werden. Schreiberling fügt zum Beispiel gerne mehr Zitronensaft hinzu, also eher im Verhältnis 1:1. Puderzucker gerne weniger (das klassische Rezept sieht 1 ½ Tassen pro Portion vor), wir mögen es lieber sauer als süß. Doch das bleibt jedem selbst überlassen.

Der Schlüssel zur Cremigkeit liegt eigentlich in der Zugabe eines rohen Eiweißes. Das ergibt die perfekte Konsistenz und erfüllt das klassische Rezept. Schreiberling und viele Chilenen verzichten aber gern darauf und fügen stattdessen nicht Puderzucker sondern Zuckersirup dazu. Ergibt dieselbe Konsistenz und erspart uns das Protein in Form eines rohen Eis.

Wer nun mag, kann dem ganzen Ingwer, Minze oder andere Früchte untermixen. Und dann heißt es zurücklehnen und genießen. Und während wir da so sitzen und an unserem Glas nippen, denken wir, dass es uns eigentlich ziemlich egal ist, wer ihn denn nun erfunden hat. Schließlich meckern die Japaner auch nicht, wenn die Italiener behaupten, Pasta sei ein typisch italienisches Gericht. Wie wäre es stattdessen, wir würden mal beide Nationen an einen Tisch setzen, sie zwei gute Pisco Sour trinken und sich darauf einigen lassen, dass beide verdammt gut schmecken?!

In diesem Sinne – lasset uns denn wieder einmal das Glas erheben und auf diese wunderbare Liaison anstoßen. Auf dass sie ewig halten möge. In süßen, wie in sauren Zeiten.

Salú!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s