Ehrfurcht

Sich in dir spiegelnd versinkt der rote Feuerball langsam in deinen Tiefen am Horizont.
All deine Kraft zeigen wollend, bäumst du dich auf,
als wolltest du seine letzten Strahlen einfangen.
Du greifst nach ihnen,
lässt sie auf dir tanzen,
verschlingst sie gar,
bevor du sie wieder fallen lässt.
Tosend, schäumend, zerfließen sie im Sand.

Deine Schönheit atemraubend, man will den Blick nicht von dir lassen.
Dein Kleid in dieser Stunde silbern glitzernd,
schimmernd in roten Tönen,
durchfurcht von türkisenen Falten.
Weißes zerzaustes Haar,
von dir durchwühlt
immer und immer wieder in kraftvollen Wogen.

Dein Gesang so rau,
einem Fauchen gleich,
als wolltest du einen in deinen Bann ziehen,
verlocken,
sich in den Tiefen deines eisig kalten Kleides zu verlieren.

Mit langen Armen greifst du nach Land,
donnernd schmettern sie auf Grund,
versuchen zischend nach allem zu greifen, was vor ihnen liegt,
bevor sie sich wieder zurückziehen,
verlieren
im Nass.

Tagein tagaus,
deine Kraft niemals schwindend,
dich ewig windend,
erscheinst du aufgebracht,
so aufgewühlt,
als würde eine tiefe Unruhe dich nicht schlafen lassen.

Wenn auf hölzernen Brettern manch einer versucht auf dir zu tanzen,
so wirkt es, als wollte er dich bändigen,
das wilde Tier in dir zähmen.
Doch nur selten bist du gewillt, dich von ihnen liebkosen zu lassen,
die meisten verschlingst du mit deinen Wogen.

Am wildesten jedoch wirst du erst,
wenn der Boden unter deinen Füßen bebt,
die Kraft der Mutter Erde deinen Rhythmus stört.
Wütend bäumst du dich auf,
bringst dich in Rage.
Immer höher,
höher hinauf streckst du dich in den Himmel und näherst dich immer wilder dem Land,
als wolltest du dich rächen.
Tosend reißt du dein Maul auf,
verschlingst alles, was sich vor dir befindet
und spuckst es verachtend wieder aus.

Wer könnte nicht tiefe Ehrfurcht vor dir empfinden,
von deiner Kraft und Rage wissend,
von deiner Schönheit in den Bann gezogen.

Wir lauschen dir noch eine Weile,
fast verführst du uns mit deinem Gesang.

Doch dann ist der rote Feuerball am Horizont verschwunden und Dunkelheit macht sich um uns breit.
Wir lassen dich hinter uns,
dein Fauchen uns noch lange begleitend,
das in der Ferne zu einem leisen Zischen, gar Säuseln wird,
einer Sirene gleich
uns lockend.

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