Lichtspiel

Ein Sonnenuntergang in der Atacama Wüste ist wie ein einziges Leuchten. Wenn die Sonne ihre tiefen Strahlen ein letztes Mal über das Meer aus Sand und Gestein gleißen lässt, verabschiedet sich die Wüste in ihren schönsten Farben. Ein Vogel möchte man sein, der höher fliegen kann, als dieser Hügel, auf dem wir stehen, damit wir selbst noch hinter den Licancabur blicken können, in diese endlos leuchtende Weite.
Zaghaft erst ein leises Entflammen, das sanft diese so stille Welt in Leben versetzt. Wer glaubt, es lebt hier nichts, der irrt. Versteckt ist es nur, das Leben und mit den tiefergehenden Sonnenstrahlen zeigt es sich von seiner schönsten Seite.
Dann, wenn die langen Schatten der rauen Felsen des Mondtals Formen auf den Boden zeichnen, länger immer länger werdend, als würden Figuren tanzen.
Wenn die vom Wind geschliffenen Gesteinswände ihr erst so zaghaftes Beige mit Sonnenstrahlen schmücken, es entflammen lassen zu einem tiefen Ocker und dann aufleuchten, brennen gar in kraftvollem Orange, so als wollten sie der Sonne danken.
Wenn das Amphitheater nicht mehr nur rötlich schimmert, sondern sein Kleid in den verschiedensten Farbnuancen zur Schau stellt, als hätte es sich rausgeputzt für diesen besonderen Abend.
Wenn ein jeder Fels, der gar so leblos wirkte, beginnt zu leuchten, als wäre er ein Ebenbild der Sonne, ihre Strahlen bricht und sie so auf andre Wege bringt, die selbst den verstecktesten Winkel der Wüste entflammen lassen.
Wenn die Wüste zu einem einzigen leuchtenden Meer wird, dessen Wellen nur der immer kühler werdende Wind an das Ohr trägt.
Und am Horizont der Majestät, der König dieses magischen Ortes, der still das Schauspiel von oben betrachtet, der Licancabur. Gekleidet bald in tiefem Rot, das sich von unten nach oben langsam in ein zartes Violett wandelt, umgeben vom schwächer werdenden Hellblau des Himmels. Ihm schenkt die Sonne ihre letzten Strahlen, küsst seine Spitze sanft ein letztes Mal, bevor sie hinter den Kuppen des Todestals untergeht.
Das Feuer erlischt, Stille breitet sich aus, der kühle Wind wirbelt ein letztes Mal Sandkörner auf, lässt sie tanzen, fallen, schlafen.

 

 

 

 

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Lichtspiel

  1. Paul schreibt:

    Das ist eine sehr schöne und poetisch anmutende Beschreibung =). Ja, die gleichen Eindrücke habe ich auch gehabt, als ich das Valle de la Luna besucht habe.

    Auch die Bilder dazu sind super und unterstreichen deine empfindsam gewählten Worte nochmals.

    Die Atacamawüste hat auch mich mit ihren sehr faszinierenden Landschaften verzaubert.
    Paul

    Gefällt mir

    • weonlandia schreibt:

      Danke Paul, für deinen lieben Worte. Das Schönste ist, wenn man so einzigartige Eindrücke teilen kann und dein Kommentar zeigt mir, dass ich es mit meinen Worten und Bildern geschafft habe. 🙂
      Danke dafür!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s